querkeks - Das Web, das Leben und der ganze Rest

Stuck in Live?

Achtung, Achtung, liebes Internet. Es folgt ein Posting mit Jammern auf hohem Niveau. Sag nicht, ich hätte Dich nicht gewarnt.

In letzter Zeit frage ich mich immer häufiger, was das eigentlich noch werden soll mit meinem Leben. Ich bin jetzt 30 und das, was ich so mache, entspricht wohl so ziemlich dem klassischen Klischee eines Spießerlebens: Verheiratet, Haus in der Kleinstadt, zwei Kinder, Teilzeitjob.
Ich liebe meinen Mann und meine Kinder, ich mag meine Umgebung und mein Job macht mir auch meistens Freude (zumindest die Inhalte; Homeoffice sucks). Und dann kommt diese kleine fiese Stimme in meinem Kopf: „Und nun? War es das? Willst Du das die nächsten 20 Jahre tagein – tagaus so weiter machen und Dich am Ende fragen, was von Dir übrig geblieben ist? War früher nicht alles cooler?

Ich – das glückliche Sonntagskind – bin in meinem Leben noch nie so wirklich „auf die Schnauze gefallen“. Ich hatte eine tolle Kindheit, Schule und Studium habe ich mehr oder weniger aus dem Ärmel geschüttelt (Boar, das klingt so arrogant) und ich musste mich noch nie durch Bewerbungs- und Vorstellungsgesprächsmarathons quälen. Ich habe durch Zufall und als ich eigentlich nicht auf der Suche war, einen tollen Mann kennengelernt. Der nimmt meine diversen Spleens schulterzuckend hin und weist mich manchmal doch recht realitätsfernes Wesen mit nur minimalstem Augenverdrehen in die praktischen Dinge des Lebens ein: Wie zünde ich einen Kamin an? Was bedeutet die komische Warnlampe da an meinem Auto und wie brät man eigentlich Fleisch? ich = Kochnulpe.

Den bislang größten Schlag hat mir und uns als Eltern der viel zu frühe und schwere Start des Kleinchens versetzt. Aber auch da sind wir wohl nach neuesten Erkenntnissen mit einem blauen Auge davon gekommen. Das Kleinchen scheint keinerlei bleibende gesundheitliche Schäden in seine weitere Zukunft mitzunehmen.

Dann lese und höre ich die vielen, vielen Geschichten über Schicksalsschläge, die Menschen erleiden mussten, über Sternenkinder, über schwere Krankheiten, über fiese Eltern, Schwiegerdrachen und Rosenkriege, über finanzielle Miseren und missglückte Karrieren.
Und dann sitze ich hier und denke mir, was für ein undankbares Geschöpf ich doch bin. Braucht es denn wirklich Krisen, um als Mensch zu wachsen und sich der eigenen Identität bewusster zu werden? Warum kann diese dämliche Stimme in meinem Kopf nicht einfach mal Ruhe geben und mich glücklich sein lassen?

Ja, liebe Stimme ich gebe Dir recht: Meine Zeit als Studentin war cool, ein selbstbestimmtes Leben ist cool, Berlin ist cool, Party machen ist cool,  Ausschlafen ist obercool und früher war mehr Lametta!
Diese Zeit ist aber vorbei! Es ist ok, ihr nachzutrauern und sich ab und zu zurück zu wünschen (ok, das Ausschlafen darf man sich jeden Tag wünschen). Aber das hier ist jetzt UNSER Leben, liebe Stimme. Wir nehmen jetzt diese monstermegaguten Voraussetzungen, schmeißen die dämlichen was-wäre-wenns und hätte-hätte-Fahrradkette über Bord und sind einfach glücklich! Du bist nicht meiner Meinung? Ach, halt die Klappe!

Kategorie: Das Leben, Icke

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